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Anti-Jagd · 9 Minuten Lesezeit

Anti-Jagd-Training im Englischen Garten: So bleibt Ihr Hund kontrollierbar

Der Englische Garten ist Münchens schönster Park und gleichzeitig die größte Anti-Jagd-Trainingsherausforderung der Stadt. Eichhörnchen am Monopteros, Enten am Kleinhesseloher See, Rehe in den abgelegenen Bereichen, andere freilaufende Hunde an jeder Wiese. Wer hier mit einem jagdlich motivierten Hund unterwegs ist, kennt das Gefühl: einen Atemzug nicht aufgepasst, und der Hund ist weg.

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Der Englische Garten ist Münchens schönster Park und gleichzeitig die größte Anti-Jagd-Trainingsherausforderung der Stadt. Eichhörnchen am Monopteros, Enten am Kleinhesseloher See, Rehe in den abgelegenen Bereichen, andere freilaufende Hunde an jeder Wiese. Wer hier mit einem jagdlich motivierten Hund unterwegs ist, kennt das Gefühl: einen Atemzug nicht aufgepasst, und der Hund ist weg.

In diesem Beitrag teile ich, wie ich mit meinen Münchner Kunden systematisch ein Anti-Jagd-Training im Englischen Garten aufbaue. Es geht nicht darum, das Jagdverhalten zu unterdrücken, das wäre unrealistisch. Es geht darum, einen verlässlichen Rahmen zu schaffen, in dem Sie Ihren Hund auch bei höchster Reizlage führen können.

Warum Anti-Jagd-Training keine Wundermittel kennt

Jagdverhalten ist kein Fehlverhalten, sondern genetisch tief verankertes Naturverhalten. Bei manchen Rassen, etwa Beagles, Magyar Vizslas, Australian Shepherds oder Border Collies, ist die Jagdmotivation besonders ausgeprägt. Aber auch der gemütlichste Mischling kann an einem schlechten Tag plötzlich einem Hasen hinterherrennen.

Wer Ihnen erzählt, sein Anti-Jagd-Programm mache Ihren Hund in vier Wochen jagdfest, lügt. Was realistisch funktioniert: ein verlässlicher Rückruf, eine belastbare Impulskontrolle und ein gut konditioniertes Stoppsignal. Diese drei Säulen zusammen schaffen Sicherheit, auch wenn Ihr Hund seinen Trieb behält.

Säule eins: Der Rückruf, der wirklich hält

Ein Rückruf, der nur auf der ruhigen Wiese vor Ihrem Haus funktioniert, hilft Ihnen im Englischen Garten gar nichts. Ein wirklich belastbarer Rückruf wird in vier Schritten aufgebaut.

Schritt eins: Sie wählen ein neues Rückrufsignal, das im Alltag noch nicht verbrannt ist. „Komm” oder der Hundename funktionieren oft schon nicht mehr, weil sie in tausend anderen Kontexten benutzt wurden. Ein Pfiff oder ein neues Wort wie „Hierher” sind besser.

Schritt zwei: Konditionieren Sie das Signal in Räumen ohne jeden Reiz. Im Wohnzimmer, im Flur, im Badezimmer. Pfeife oder Wort, dann sofort und ohne Wiederholung ein außergewöhnlich hochwertiges Leckerli, idealerweise etwas, das Ihr Hund sonst nie bekommt. Cervelatwurst, Käse, Hähnchen. Hundert Wiederholungen über drei Wochen, ohne dass der Hund jemals den Wert dieses Signals zu erraten lernt.

Schritt dritt: Verlegen Sie das Training nach draußen, aber an reizarme Orte. Eine ruhige Seitenstraße, ein leerer Parkplatz, ein abgelegener Bereich des Hirschgartens an einem Werktag-Vormittag. Steigern Sie schrittweise.

Schritt vier: Erst nach mindestens vier Wochen testen Sie den Rückruf in mittlerer Reizlage, etwa am Rand eines Münchner Parks zur ruhigen Tageszeit. Den Englischen Garten an einem Sonntagnachmittag besuchen Sie damit erst frühestens nach drei Monaten konsequenter Arbeit.

Säule zwei: Impulskontrolle als tägliche Übung

Impulskontrolle ist die Fähigkeit eines Hundes, einen unmittelbaren Drang zugunsten einer späteren Belohnung auszusetzen. Sie ist trainierbar, aber sie braucht tägliche Übung. Mein Standardprogramm dafür sieht so aus:

Beim Füttern lassen Sie den Hund vor dem Napf warten, bis Sie ein Freigabesignal geben. Beim Verlassen der Wohnung wartet der Hund hinter der Schwelle, bis er gerufen wird. Beim Spaziergang sitzt der Hund vor jeder Straßenüberquerung. Beim Spielen freigeben Sie das Spielzeug erst, wenn der Hund kurz Ruhe gezeigt hat.

Das klingt nach viel und wirkt dressurhaft, ist es aber nicht. Es sind kleine Mikro-Übungen, die zusammen einen Hund formen, der gelernt hat: Es gibt einen Moment zwischen Reiz und Reaktion, und dieser Moment gehört mir.

Im Englischen Garten zahlt sich diese tägliche Arbeit aus. Wenn Ihr Hund das Eichhörnchen sieht, hat er gelernt, dass es einen Sekundenbruchteil gibt, in dem er bei Ihnen rückversichern kann. Dieser Sekundenbruchteil ist alles.

Säule drei: Das Stoppsignal

Das Stoppsignal ist der Notfallknopf. Wenn alles andere versagt, wenn der Hund schon im Sprint ist, wenn die Situation kippt, brauchen Sie ein Signal, das Ihren Hund einfriert.

Ich konditioniere Stoppsignale separat vom Rückruf. „Stop” oder ein scharfer Pfiff bedeutet: Sofort stehen bleiben und auf weitere Anweisung warten. Aufgebaut wird es ähnlich wie der Rückruf, beginnend in reizarmer Umgebung, mit höchster Belohnung, ohne jede Inflation.

Wichtig: Ein Stoppsignal ist nur so verlässlich wie Ihre Bereitschaft, niemals dahinter zurückzugehen. Wenn Sie „Stop” rufen und Ihr Hund nicht stoppt, müssen Sie hingehen, ihn ruhig sichern und eine reduzierte Übung als Reset machen. Niemals zweimal rufen, das verbrennt das Signal in Wochen.

Wo im Englischen Garten Sie üben können

Der Englische Garten hat unterschiedlich reizdichte Bereiche, die sich für gestaffeltes Training eignen.

Reizarm und damit Anfänger-tauglich: der Bereich nördlich des Kleinhesseloher Sees Richtung Aumeister an einem Werktag-Vormittag. Wenig Verkehr, wenige Hunde, gelegentlich Eichhörnchen.

Mittlere Reizlage: der Schwabinger Bach zwischen Chinesischem Turm und Kleinhesseloher See. Mehr Hunde, mehr Wasservögel, gelegentlich Reiter.

Hohe Reizlage und damit Fortgeschrittenen-Niveau: der Bereich rund um den Monopteros und das Eisbach-Ufer am Wochenende. Hier sind viele freilaufende Hunde, viele Menschen, viele Eichhörnchen, hoher allgemeiner Lärmpegel.

Beginnen Sie immer in der reizärmsten Stufe und steigern Sie nur, wenn Ihr Hund dort entspannt arbeitet.

Wann Sie Hilfe holen sollten

Wenn Ihr Hund einen erfolgreichen Jagdvorfall hatte, also tatsächlich ein Tier gefangen oder verletzt hat, ist die Trainingssituation komplexer und ich empfehle dringend professionelle Begleitung. Selbsttraining nach einem Erfolgserlebnis ist wenig erfolgversprechend, weil das Verhalten massiv verstärkt wurde.

Auch wenn Sie nach drei Monaten konsequenter Arbeit keinen erkennbaren Fortschritt sehen, holen Sie Hilfe. Manchmal liegt es an feinen Trainingsfehlern, die von außen leichter zu erkennen sind.


Marion Indebera ist mobile Hundetrainerin in München, §11 TierSchG zertifiziert. Sie trainiert mit ihren Kunden direkt im Englischen Garten und an anderen realen Münchner Orten, weil Anti-Jagd nur dort funktioniert, wo der Hund tatsächlich jagt.

#Anti-Jagd #Englischer Garten #München #Rückruf #Impulskontrolle

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